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Künstlergruppe Alltag – eine Künstlergemeinschaft

„Künstlergruppe Alltag“ ist ein besonderes Beispiel für die Suche nach der Einheit von Kunst und Leben junger Menschen in den 70iger Jahren. Drei junge Künstler entfalteten unter diesem Namen gemeinsame Aktivitäten. Es waren Reinhard Mahl, Manfred Fischer und Roland Oesker. Die Gründung dieser „Künstlergruppe Alltag“ fand im Juli 1975 statt. Sie ereignete sich in Dänemark und der Anlass war eine Ausstellung in Kopenhagen. In den folgenden Jahren organisierte die „Künstlergruppe Alltag“ verschiedene kulturelle Aktionen und gemeinsame Ausstellungen in Berlin, Marburg, Hannover und Braunschweig.

Gruppe Alltag 1 Gruppe Alltag 2 Gruppe Alltag 3 Künstlergruppe Alltag 4

Das erste Bild zeigt die Künstler bei ihrem Besuch in Kopenhagen: rechts Reinhard Mahl, in der Mitte Manfred Fischer , links Roland Oesker, 1975. Das zweite Bild entstand bei einer Kunstaktion mit Kindern auf einem Stadteilfest. Abbildung 3 ist eine Zeitungsmeldung zur Eröffnung einer Ausstellung der „Künstlergruppe Alltag“ in Braunschweig. Abbildung 4 ist eine Zeitungsmeldung aus Hannover, die eine Kunstaktion der „Künstlergruppe Alltag“ in Hannover ankündigt.

Künstlergruppe Alltag 5 Anlass für diese Zeitungsmeldung in Marburg war    eine Austellung der „Künstlergruppe Alltag“ in der Marburger „Galerie Legge“. Für eine bestimmte Zeit war Marburg eine besondere Station für die Künstler Manfred Fischer und Roland Oesker.  Die Universität Marburg war für beide Künstler der Anlass nach Marburg zu gehen. Die nächste Abbildung zeigt ein Din A4 Informationsblatt, gedruckt auf einem Künstlergruppe Alltag Marbghell-grünen Karton. Das Blatt wurde in großer Auflage als Flugblatt im Unibereich verteilt und ist eine Einladung zu der Gemeinschaftsausstellung von Manfred Fischer , Roland Oesker und Reinhard Mahl in Marburg.

Aber auch Berlin war für die jungen Künstler in dieser Zeit ein Magnet.Künstlergruppe Alltag 6 Ihre Ideen von einer Kunst in einem sozialen Kontext der Lebenswirklichkeit konnten sie in Berlin ganz besonders gut entfalten. Das zeigt auch der Artikel über die Künstlergruppe Alltag in einem berliner Stadtmagazin. In diesem Artikel wird auch von einer Ausstellung des Fotografen Roland Oesker gesprochen. Künstlergruppe Alltag 7Galerien, die Fotografie als Kunst oder „künstlerische Grafik“ ausstellten, waren zu dieser Zeit auch in Berlin eine Novum.Roland Oesker Fotoausstellung Die Galerie „Trockenpresse“ war daher die erste Galerie überhaupt, die es wagte, sich ganz auf die Fotografie als Kunstform zu konzentrieren. Es gab einige Bucherscheinungen die den Boden für diese Entwicklung bereitet haben. Ein Blick auf die Erscheinungsdaten zeigt die Besonderheit diese Wagnisses auf. Otto Stelzer, „Kunst und Fotografie“ erscheint 1966 und zeigt den Einfluß der Fotografie als eine Dienstbarkeit gegenüber der Kunst auf.  Aber das Buch von Volker Kahmen: „Fotografie als Kunst“ erscheint 1973. In diesem Buch wird es gewagt, die Eigenständigkeit der Kunstform Fotografie als Entwicklung zu zeigen. Um die neue Haltung zur Fotografie in den 70igern besser zu verstehen ist es aber notwendig auf zwei Schriften hinzuweisen: Zuerst Walter Benjamin, „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner Reproduzierbarkeit“ (1936) und Wolfgang Fritz Haug, „Kritik der Warenästhetik“ (Frankfurt a.M. 1971). Das sind zwei Beispiele, die Einflüsse auf die Künstler in Berlin haben, die um eine Sichtweise auf die Welt mit sich selbst und mit ihrer Umgebung ringen. Ein Zeitungsartikel in der Berliner Morgenpost vom 7.10. 1975 gibt Berlin Alltageinen Hinweis auf die Ausstellung die Roland Oesker in Berlin veranstaltet und zeigt die Hilflosigkeit der etablierten Seite sich über die Form „Fotografie als Kunst“  zu informieren und sich mit der jungen Kunst zu verständigen. Auch in einem Zeitungsartikel der jungen Tageszeitung „Neue Braunschweiger“ kommt in der Bildunterschrift diese Haltung zum Ausdruck. Man hat den Eindruck, dass am Engagement der Künstler das Auffälligste und Wichtigste das Angebot von preiswerter „Kunst“ sei. Im folgenden ein Beispiel aus der Tageseitung „Neue Braunschweiger“ . Hier war natürlich die Neue Braunschweiger2grossformatige Wiedergabe  von zwei Arbeiten der Künstler in einer Tageszeitung schon sehr bedeutsam für den Besuch der Ausstellung in Braunschweig.

Das künstlerische Schaffen soll aus den Lebensbedingungen entwickelt werden und die dabei neu gewonnenen Inhalten sollen auf die Lebensbedingungen wirken, das war eine Grundeinstellung der Künstlergruppe Alltag. Dazu gehörte, Kunst für Menschen und mit den Menschen zu machen, Bildsprache, Sprache und Ausdruck in den Begegnungen des Alltags  zu gestalten. Diese Ziele sollten  in  Gemeinschaft mit den Menschen verfolgt werden, die eine bestimmte  Zukunft gestalten wollten. Das Beispiel aus der Zeitung aus Braunschweig zeigt zwei Bilder, ein spielendes Kind, das an einem Baumast turnt und eine Fotoarbeit von Roland Oesker mit einer Kuh auf einer Wiese, aus der sich schemenhaft ein Gasmaskenwesen erhebt. Beim Betrachter entsteht aus beiden Bildern ein Drittes. Dieses Zusammenspiel der Bilder und die damit betroffenen Inhalte haben die Künstler zusammengeführt. Hier muss man die Situation der Zeit betrachten: Friedensbewegung, eine „Grüne-“ und „Anti-Atomkraft-“  Bewegung, waren noch in den Aufschwung und hatten ihren Höhepunkt in der  außerparlamentarischen Politik. Zukunft zu gestalten war verbunden mit der grundsätzlichen Idee: Bestimmung eines Gesellschaftsbildes durch Kunst als Leben, weil es zum bestehenden System eine alternative konkrete Utopie gibt. Diese Idee sollte den Menschen im Alltag erfahrbar werden, wenn er „die Bildung der Zukunft“ im doppelten Sinn des Wortes praktiziert. Daher war das Thema „Kinderbild“ eine wichtige Sache für die Künstlergruppe Alltag. Das zeigte sich besonders in der künstlerisch-fotografischen Arbeit der Kinderbilder von Roland Oesker.

Roland Oesker Mädchen in Berlin Roland Oesker Junge mit Ball Roland Oesker Kinder spielen Roland Oesker Spiel auf Reifen Roland Oesker Junge mit Auto Roland Oesker Kinder mit Stangen Roland Oesker Junge am Fenster Roland Oesker Kinder und Baum Roland Oesker Drei am Fischteich Roland Oesker Kinder mit Spielzeug Roland Oesker Kinder und Autowrack