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Großes Opfer Japan- Rückschlag für die Anti-AKW-Bewegung?

Da wünscht sich jemand eine atomare Verschmelzung in Deutschland, leider waren die Japaner schneller. Am Dienstag den 2. Februar 2010 meldet die Ostseezeitung: „Greifswald:Merkel setzt auf Kernfusion“ Schauen wir in ein Wörterbuch: Fusion=Verschmelzung. Reicht es nur einfach „Abschalten“ zu fordern? Was kommt dann? Eine Diskussion für eine neue atomare Zukunft? Bei einem Besuch des Max-Planck-Institutes in Greifswald, so meldete dpa, bezeichnete Merkel das 380Millionen Euro teure Kernfusionsexperiment „Wendelstein 7-X“ als „Projekt mit dem Deutschland Fusionsgeschichte schreiben kann“.

Atomgau Fukushima – Japan ist uns ganz nah! Wir dürfen hoffen: Es gibt durch die Kernschmelze einen Kurswechsel in der Atomdebatte. Sollte der Erfolg der Anti-AKW-Bewegung jetzt eintreten, so wie wir es uns über 30 Jahre lang gewünscht haben? Dann müssen wir befürchten, dass dieser Erfolg durch die Katastrophe von Fukushima erreicht wird. Dann beruht der Erfolg auf Verwüstung, Elend und Tod. Dann müssen wir sehen, dass der Weg zur Wende eine Spur ist, die von Harrisburg über Tschernobyl bis Fukushima führt. Das ist eine Spur der Trauer, des Leidens, der Strahlenkrankheit, und der Landschaftszerstörung in einem unendlichen Ausmaß. Ursache der atomaren Wende ist dann nicht die Vernunft, nicht die Kraft des menschlichen Geistes, nicht die Diskussion und der Austausch von Gedanken und Ideen, nicht die Tradition der Humanität in der philosophischen Aufklärung, nicht die Freude und Achtung vor der göttlichen Schöpfung, nicht das Bemühen so vieler Demonstranten, die an eine Demokratie glauben. Der Motor der Entwicklung kann dann auch nicht im Widerstand der vielen mutigen Atomkraftgegnern gesehen werden, die mit ihrer ganzen Person und ihrem Körper unter Opferung ihrer Gesundheit und ihrer sozialen Sicherheit bei jedem Castortransport die Verantwortung übernommen haben, die von den Politikern nicht getragen wurde. Der Motor für die Veränderung ist dann nur das Schreckliche, das Grausame, was wir eigentlich durch unser Bemühen verhindert wollten.
Das macht sehr traurig und sogar mutlos.
Aber es kann noch schlimmer kommen: Der größte Unfall in der Atomtechnik aller Zeiten wird viele sogenannte „Fachleute“ hervorbringen, die vor laufenden Fernsehkameras und bunten Mikrofonen  genau sagen können, wie man mit der Horror-Havarie eines Atomreaktors in Zukunft umgehen kann, um den Betrieb für alle Menschen sicher zu machen. Führungskräfte, die gern in gut bezahlter Stellung die Atomgauleiter der Zukunft werden wollen.

Daher können wir uns Mutlosigkeit jetzt nicht leisten, sondern müssen unsere Trauer in eine große menschliche Kraft verwandeln. Eine Kraft, die wir benötigen, um weiterhin Widerstand zu leisten. Eine Kraft, die dafür sorgen muss, dass der Austausch menschlicher Gedanken der Motor der Entwicklung bleibt.

Ein weiterer Gedanke: Die selbsternannten Fachleute für die Zukunft der Atomenergie feiern mit den Politfiguren in den Medien ihre Präsenz und zeigen auf, was man alles an der japanischen Katastrophe lernen kann. Das macht die „guten“ Kraftwerke in Deutschland „sicher“ und verlängert ihre profitablen Laufzeiten. Dagegen wirken die Anti-AKW-Sticker wie ein Pfeifen im Keller.
Roland Oesker

7 Antworten zu “Großes Opfer Japan- Rückschlag für die Anti-AKW-Bewegung?”

  1. Joachim W. sagt:

    Ich befürchte auch, dass wenn jetzt das Umdenken in der Regierung wirklich stattfindet, diese auch die Sympathien dafür einheimsen werden und die Sache damit als erledigt gelten könnte. Dabei ist der Atomausstieg lange nicht das Ende der Forderungen und sie könnten hinten weg fallen wenn in ein paar Jahren wieder der Bundestag gewählt wird und sich CDU und FDP als die Atomstromgegner profiliert haben.

  2. Ernst sagt:

    Ja im Ernst, das ist zu befürchten, Frau Merkel macht sich den Spaß und verwirklicht etwas, was die Rot-Grüne Regierung nicht geschafft hat!

  3. Patrik Ebbers sagt:

    Ich sehe das genauso, und mir wird schlecht bei den ganzen Äußerungen von sogenannten Experten und Politikern. Klar, die Renaissance der Anti-AKW Sticker ist wirklich nur ein laues Lüften, aber die von Gabriel geforderte Volksabstimmung auf europäischer Ebene zum sofortigen und nachhaltigen Ausstieg wäre etwas Anderes. Nur wer weiß, ob er sich da in drei Monaten noch dran erinnert. Der Kampf geht weiter….
    Übrigens, meine Freundin, eine sonst sehr zurückhaltende Person, hat gestern zu mir gesagt: \Alle, die jetzt noch für Atomkraft sind, sollte man sofort zum Kühlen der Brennstäbe nach Fukushima fliegen.
    Ich füge dem hinzu: Nur mit Gießkännchen und ohne Schutzanzug!

  4. Roland sagt:

    Hallo Patrik, danke, sehr gute Idee diese Fortbildung für Atomkraftbefürworter!

  5. Joachim M. sagt:

    Ja, es nicht die Vernunft die siegt, dass hat sie leider auch nie, selbst zwei Weltkriege änderten nichts an der Einstellung der Menschen.
    Ich wünsche mir das dieses Opfer nicht vergebens war und ein Umdenken der Gesellschaft weltweit eintritt.
    Diese Technik war nie sicher und wird es auch in Zukunft nicht sein, insofern wird die Anti-Atomkraft-Bewegung nicht an Bedeutung verlieren, denn wir müssen uns auch nach einem Ausstieg kritisch mit den Hinterlassenschaften dieser Zeit umgehen. Vor allem ist nicht zu erwarten, dass die profitgierigen Atom-Lobbyisten einen kurzfristigen Ausstieg aus dieser Energieform zulassen! …..deshalb ist eine kritische Opposition jetzt wichtiger den je, eigentlich muß der Druck jetzt weiter wachsen um die „Chance“ zu nutzen. Denn spätestens in einem Jahr weiß niemand mehr wo Fukushima eigentlich liegt.

  6. Peter P. sagt:

    Zunächst mal mein tiefstes Mitgefühl allen Betroffenen in Japan.

    Rückschlag für die Anti-AKW-Bewegung?

    Nun ich denke eher nicht, den es gibt viel zu tun:

    In den uns angrenzenden Länder ist
    in Polen 1 neues AKW geplant,
    in Tschechien gibt es bereits 6 AKWe
    in der Schweiz 5 und 1 neues ist in Planung,
    Frankreich hat 59 und 1 ist im Bau,
    in den Niederlanden steht immer hin auch 1
    und Belgien hat 7 AKW’s.

    Es sind momentan Weltweit 438 Atomkraftwerke in Betrieb, 57 Kraftwerke befinden sich im Bau und weiter 64 Atomkraftwerke sind geplant.

    Unter der Führung der heilbringenden Lichtgestalt des US-Präsident Barack Obama werden nach 30 Jahren
    (28. März 1979 war der Unfall in Harrisburg)
    auch wieder AKWe gebaut (das hatte nicht mal George W. Bush geschafft).

    Wie unsere Politiker, die mit Augenmaß an die Sache herangehen wollen, aber offensichtlich ein Brett vor dem Kopf bzw. die Atom- Lobby im Nacken haben, ist mir schleierhaft.

    Ich möchte auch garnicht wissen wieviele unserer Mitbürger sich lieber an dem Anblick eines kleine AKW erfreuen, als sich von endlosen Überlandleitungen, Windkraftparks oder riesigen Photovoltaikanlagen
    unsere auch so schöne Landschaft verunstalten zulassen.

  7. Roland sagt:

    hey Peter, Du bist wie immer sehr genau in Deiner Einschätzung und das ist eine Übersicht, die Du da präsentierst, die ganz schön schockieren kann! Wenn man ein Mitgefühl für die Betroffenen entwickelt, dann sollte es auch so sein, dass dem Leiden eine wirksame Beachtung zuteil wird. Wirksam bedeutet für mich, eine Verstärkung der Entschlossenheit, gegen die Verhältnisse aufzutreten.

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