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Archiv für März 2011

Großes Opfer Japan- Rückschlag für die Anti-AKW-Bewegung?

Mittwoch, 16. März 2011

Da wünscht sich jemand eine atomare Verschmelzung in Deutschland, leider waren die Japaner schneller. Am Dienstag den 2. Februar 2010 meldet die Ostseezeitung: „Greifswald:Merkel setzt auf Kernfusion“ Schauen wir in ein Wörterbuch: Fusion=Verschmelzung. Reicht es nur einfach „Abschalten“ zu fordern? Was kommt dann? Eine Diskussion für eine neue atomare Zukunft? Bei einem Besuch des Max-Planck-Institutes in Greifswald, so meldete dpa, bezeichnete Merkel das 380Millionen Euro teure Kernfusionsexperiment „Wendelstein 7-X“ als „Projekt mit dem Deutschland Fusionsgeschichte schreiben kann“.

Atomgau Fukushima – Japan ist uns ganz nah! Wir dürfen hoffen: Es gibt durch die Kernschmelze einen Kurswechsel in der Atomdebatte. Sollte der Erfolg der Anti-AKW-Bewegung jetzt eintreten, so wie wir es uns über 30 Jahre lang gewünscht haben? Dann müssen wir befürchten, dass dieser Erfolg durch die Katastrophe von Fukushima erreicht wird. Dann beruht der Erfolg auf Verwüstung, Elend und Tod. Dann müssen wir sehen, dass der Weg zur Wende eine Spur ist, die von Harrisburg über Tschernobyl bis Fukushima führt. Das ist eine Spur der Trauer, des Leidens, der Strahlenkrankheit, und der Landschaftszerstörung in einem unendlichen Ausmaß. Ursache der atomaren Wende ist dann nicht die Vernunft, nicht die Kraft des menschlichen Geistes, nicht die Diskussion und der Austausch von Gedanken und Ideen, nicht die Tradition der Humanität in der philosophischen Aufklärung, nicht die Freude und Achtung vor der göttlichen Schöpfung, nicht das Bemühen so vieler Demonstranten, die an eine Demokratie glauben. Der Motor der Entwicklung kann dann auch nicht im Widerstand der vielen mutigen Atomkraftgegnern gesehen werden, die mit ihrer ganzen Person und ihrem Körper unter Opferung ihrer Gesundheit und ihrer sozialen Sicherheit bei jedem Castortransport die Verantwortung übernommen haben, die von den Politikern nicht getragen wurde. Der Motor für die Veränderung ist dann nur das Schreckliche, das Grausame, was wir eigentlich durch unser Bemühen verhindert wollten.
Das macht sehr traurig und sogar mutlos.
Aber es kann noch schlimmer kommen: Der größte Unfall in der Atomtechnik aller Zeiten wird viele sogenannte „Fachleute“ hervorbringen, die vor laufenden Fernsehkameras und bunten Mikrofonen  genau sagen können, wie man mit der Horror-Havarie eines Atomreaktors in Zukunft umgehen kann, um den Betrieb für alle Menschen sicher zu machen. Führungskräfte, die gern in gut bezahlter Stellung die Atomgauleiter der Zukunft werden wollen.

Daher können wir uns Mutlosigkeit jetzt nicht leisten, sondern müssen unsere Trauer in eine große menschliche Kraft verwandeln. Eine Kraft, die wir benötigen, um weiterhin Widerstand zu leisten. Eine Kraft, die dafür sorgen muss, dass der Austausch menschlicher Gedanken der Motor der Entwicklung bleibt.

Ein weiterer Gedanke: Die selbsternannten Fachleute für die Zukunft der Atomenergie feiern mit den Politfiguren in den Medien ihre Präsenz und zeigen auf, was man alles an der japanischen Katastrophe lernen kann. Das macht die „guten“ Kraftwerke in Deutschland „sicher“ und verlängert ihre profitablen Laufzeiten. Dagegen wirken die Anti-AKW-Sticker wie ein Pfeifen im Keller.
Roland Oesker